Montag, 30. Juli 2018

11-2018: Wahre Geschichten in der Pflege - Teil I


Zitat: „Geh nur nicht in die Pflege, da ist kein Blumentopf zu gewinnen.“ (Verfasser unbekannt)


Wer auch immer diesen Satz geprägt hat, war definitiv unwissend. Leider, ist genau dieses Bild vom Pflegeberuf noch immer in vielen Köpfen. Woher beziehen die Menschen, die sich aktiv für diesen Beruf entschieden haben, ihre Motivation? Es gibt Momente im Pflegealltag, die das Leben prägen, Mut machen, ein Lächeln auf die Lippen zaubern und in Erinnerung bleiben. Einige dieser Momente möchte Schwester N. mit Ihnen teilen.


1. Geschichte

Seit Tagen herrschen über 30°C im beschaulichen Sachsen-Anhalt und auch die Nächte bringen keine wirkliche Abkühlung. Für die meisten Arbeitnehmer beginnt bald das Wochenende, Schwester N. jedoch hat von Freitag bis Sonntag Dienst. Bereits 9 Uhr morgens zeigt das Thermometer 28°C im Schatten an. Während die Temperaturen weiter klettern, hat das große Schwitzen schon unlängst begonnen. Zum Glück muss Schwester N. nicht von Klient zu Klient hetzen, sie kann sich Zeit nehmen. Eine Seltenheit in diesem Beruf, mit dem richtigen Arbeitgeber aber kein Problem. Sie hat Zeit für einen kurzen Plausch und um Fragen, wie z.B. zum unruhigen Schlaf zu stellen oder das Hauptthema der Deutschen anzusprechen: Das Wetter. Frau A. hat seit Donnerstag Rückenschmerzen. Mit ihren über 90 Jahren, äußert sie sich normalerweise nur sehr selten über Unwohlsein und auch den Hausarzt möchte sie so selten wie möglich einschalten. Sie ist eine Frau, die das Leben genießt, trotz Einschränkungen.


„Wir probieren es erstmal mit einer Schmerzsalbe. Bitte reibe mich damit ein Schwester“, gesagt, getan. Die Schmerzen jedoch blieben über das Wochenende und wollten nicht besser werden. Schwester N. redet verständnisvoll mit ihr und kann sie schließlich überzeugen, dass ihr Arzt einen Hausbesuch machen soll. Abends am Sonntag möchte sich Schwester N. gerade verabschieden und ihren Spätdienst fortsetzen, als sich Frau A. mit einem netten Lächeln ihr zuwendet, sie umarmt und fragt: „Aber mein Schatz, wie geht es dir überhaupt? Du bist doch jetzt auch schon so lange unterwegs.“


All die Mühen, die dieser Beruf mit sich bringt, waren wie weggewischt. Wenn die eigentlich fremde Dame, mit ihren über 90 Jahren, sich Sorgen um die 30-jährige Schwester des Pflegedienstes macht, zeigt sich der Beruf von seiner schönsten Seite und gibt dem Herzen eine ganz besondere Wärme.



Danke für diesen Moment!



2. Geschichte

Wir schreiben das Jahr 2017. Genau genommen Dezember, ungefähr zwei Wochen vor Heiligabend. Schwester N. hat Dienst und ist für die Betreuung eingeteilt. Das bedeutet: Einkäufe für die Klienten erledigen und Hauswirtschaft durchführen, wie staubsaugen, den Boden wischen oder Begleitung beim Spazieren. Da es an diesem Tag sehr kalt ist, möchte Frau B. nicht nach draußen, sondern lieber ganz gemütlich im Warmen Kaffee trinken und reden. Nachdem Schwester N. eingetreten ist, soll sie sich an den schön eingedeckten Tisch im Wohnzimmer setzen. „Kann ich Ihnen behilflich sein?“, erkundigt sich die Schwester bei der Klientin. „Ach nein. Es ist lieb das Sie fragen, aber ich habe schon alles vorbereitet“, erwidert Frau B. freudestrahlend. Lebkuchen, verschiedene Plätzchen und Stolle sind angerichtet. Dazu bringt die Gastgeberin der Schwester einen Schwarztee, welchen sie am liebsten mag. Verwundert fragt Schwester N., woher Frau B. denn wisse, was sie gern trinkt? „Ich habe Ihre Kollegen gefragt, was Sie mögen. Ich wollte Ihnen doch auch mal etwas Gutes tun.“ Das einzige, was auf dem Tisch noch gefehlt hat, waren die beiden Tassen, welche Frau B. hinter ihrem Rücken noch hervorzauberte. Woher die Tassen kamen? Frau B.: „Ach, ich dachte mir, Sie sind doch immer so viel draußen unterwegs und damit Ihnen schön lange warm bleibt, habe ich die Tassen auf der Heizung angewärmt.“



Mit einem Lächeln auf den Lippen und roten Wangen, wurde für Schwester N. die dunkle Jahreszeit erhellt und sie konnte ihre Runde freudig fortsetzen.

  
Danke für diesen Moment!

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