Donnerstag, 23. April 2015

28-2015: Technische Pflege – ein Kommentar

Die Firma Kuka, bekannt für ihre präzise Robotertechnik, arbeitet an der sogenannten Industrie 4.0. Dabei geht es, kurz gesagt, um die wirtschaftlich optimierte Fabrik in sämtlichen Bereichen, sei es Fertigung oder Kommunikation. Kuka möchte nun in ein weiteres Feld vordringen, die Pflege. Was sich bei vielen Menschen vielleicht erst einmal als erschreckend darstellt und Horrorvisionen hervorruft, ist meist ein Schwarzweißbild. Das Bild einer Legebatterie für Hennen kommt dem am Nächsten: Pflegebedürftige, die in einer nischenartigen Zelle hocken und von Robotern mit dem nötigsten versorgt werden. Von den menschlichen Pflegern fehlt jede Spur.

So einfach ist es aber dann doch nicht, auch wenn solche Assistenzsysteme fast ausschließlich für die Nutzung im Alten- und Pflegeheim gedacht sind. Die Roboter der Firma Kuka sollen im Bereich der Essens- und Medikamentenverteilung zum Tragen kommen. In der ambulanten Pflege wird es zunächst keine sinnvolle Verwendung für diese Maschinen geben können, da die Pflegebedürftigen in den eigenen Vier Wänden gepflegt werden. Für die Pflegeheime jedoch, kann es eine enorme finanzielle Entlastung bedeuten. Immerhin würde weniger Personal bei der Verteilung benötigt werden. Welche Folgen hätte dies allerdings?

Es mag herzlos klingen, Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Eines darf dabei jedoch nie vergessenen werden: Dies ist die bittere Logik des Pflegesystems in seiner jetzigen Form. Ein Heimplatz kostet, je nach Pflegestufe bis zu 3000,-€ im Monat - das Geld aus der eigenen Versicherung reicht dafür nicht aus. Also geht es an die Reserven und wenn diese erschöpft sind, müssen die Kinder ran. Können diese es sich nicht leisten oder falls keine Kinder da sind, muss der Staat einspringen. Menschen die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, werden so im Alter ganz schnell zu Sozialhilfeempfängern. Alles was die Kosten senkt, müsste daher eigentlich zu begrüßen sein. Oder etwa nicht?

Darüber wird wohl ein Streit der Philosophen entbrennen, welcher jedoch nichts an den Entscheidungen der Verantwortlichen etwas ändern wird. Denn die Personalkosten sind nicht die einzigen Probleme eines Pflegeheims. Meist beginnt es schon beim Bau und der Finanzierung dessen. Denn egal ob Bankdarlehen oder Investor, nicht das Leben der einziehenden Menschen zählt, sondern einzig und allein die Rendite. Fakt ist, dass Roboter in der Pflege in Zukunft eingesetzt werden, völlig egal ob es gewollt oder gebilligt wird, denn sie sind in unserer momentanen Situation vor allem eines: Nötig. Wie weit der Einsatz jedoch geht, liegt immer noch im Ermessen des Menschen. Und schon jetzt gibt es sicherlich kluge und findige Köpfe, die genau Verstehen, wie Mensch und Maschine in Harmonie kooperieren können und so zum allgemeinen Wohlfühlen beitragen. Die ersten die bei dieser Entwicklung unter die Räder geraten werden, sind die Betreuungskräfte, denn diese werden innerhalb weniger Wochen „qualifiziert“ und es gibt sie wie Sand am Meer. Finden Sie diese Worte grausam?

Wenn ja, dann blicken Sie sich doch einfach einmal in unserem Alltag um. Funktioniert die Kommunikation mit dem Nachbarn nicht viel besser, seitdem jeder Mensch ein Smartphone hat? Immerhin kann auf den persönlichen Kontakt verzichtet werden, denn immerhin hat man seine Liebsten jetzt ja in einer praktischen Freundschaftliste in den unzähligen sozialen Netzwerken. Diese Entwicklung hat die Generation der Babyboomer schon längst erreicht und Mensch oder Maschine ist keine Frage mehr, sondern gelebter Alltag.

 

Quelle:

http://www.n-tv.de/der_tag/Kuka-will-Roboter-fuer-Altenpflege-bauen-article14884741.html

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