Donnerstag, 22. Januar 2015

06-2015: Geschichten über den „Stuhlgang“ – Teil I

Eines unserer wohl wichtigsten Grundbedürfnisse erfüllen wir mit dem regelmäßigen Gang auf den Thron. Egal welchen Alters oder Geschlechts, jeder hat seine ganz eigenen Gedanken und Geschichten dazu. In der Pflege gehört es zu den täglichen Aufgaben, sich um die Verdauung vieler Gedanken zu machen und gegebenenfalls zu reagieren.

Unsere Erfahrungen zeigen ein buntes Bild, welches von dünn bis knochentrocken und winzig bis riesig gemalt wird.

Wenn Angehörige bei der täglichen Versorgung eines Pflegebedürftigen anwesend sind, kommt es nicht selten vor, dass diese meist eine genaue Vorstellung des Stuhlgangs ihres Ehepartners, Elternteiles oder der Großeltern haben. Ein paar Beispiele:

-       „Einmal am Tag muss meine Frau Kacken, schließlich ist das bei mir auch so.“

-       „Nicht das du mir heute wieder die gleiche Schwester vollschmierst, reiß dich zusammen.“

Es kommt sogar vor, wenn Angehörige während der Versorgung nicht im Raum sind, dass diese eine genaue Auskunft darüber haben möchten ob und wie es heute geklappt hat. Manchmal entsteht auch Unglaube und dann wird sich prompt selbst beim Toilettenstuhl überzeugt und bewertet. Im Kopf entsteht somit eine Art
Ranking-Liste des monatlichen Stuhlgangs.

Nicht wunderlich ist auch einzustufen, dass ein massiver Durchfall entsteht, wenn man z.B. viel Obst, Rohkostsalate, Kohl sowie Torten jeglicher Art zusammen in einen Darm gestopft werden. Dass die Folge massiver Dünnschiss ist, der vielleicht noch ein paar Tage anhält, ist vor programmiert. Natürlich werden dementsprechende, sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet.

Wenn Pflegebedürftige selbst alleine sind und ihren Alltag bestreiten müssen, kommt es ferner dazu, dass folgende Aussagen getätigt werden:

-       „Schwester nehmen Sie doch den Schokopudding mit, da ist doch wieder so viel Schokolade drin, weshalb ich wieder so schwer aufs Klo gehen kann.“

-       „Schwester ich habe die Nacht so schlecht geschlafen, weil ich mir Gedanken gemacht habe, warum ich einen Tag nicht aufs Klo gehen konnte.“

Ebenfalls von hoher Wichtigkeit wird das Aufsuchen von Toiletten gesehen, wenn die Herren und Damen unterwegs sein müssen. Teilweise werden sich die letzten Tropfen und Geschäfte rausgedrückt, bevor es vor die Tür geht.

Deshalb unser Appell an alle Angehörigen, Pflegebedürftigen und sich Sorgenmachenden: Bitte stressen Sie sich und Ihre Lieben nicht zu sehr. Das meinen wir in vollem Ernst! Zwar sind regelmäßige Toilettengänge wichtig, aber wenn durch ständige Grübeleien ein Reizdarm entsteht, ist dies kontraproduktiv!  
 

Wir haben immer ein offenes Ohr und ein paar helfende Hände zur Hand, doch tun Sie sich oder Ihren Lieben einen Gefallen und lassen Sie es einfach geschehen, wie es eben kommt.

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