Donnerstag, 8. Januar 2015

02-2015: Alte Gewohnheiten – starke Erinnerungen

Geschichte ist nicht nur das große ganze der Vergangenheit. Jeder von uns hat seine eigene, ganz persönliche Geschichte. Erlebnisse, die die eigene Persönlichkeit prägen, verfolgen uns unser Leben lang. Auch wenn viele Menschen gelernt haben, diverse Eigenheiten nicht offen zu zeigen. So gibt es Situationen, wo diese wieder zum Vorschein kommen. Deutlich wird es im Fall einer Demenzerkrankung. Mit dem Vergessen kommen oftmals starke Erinnerungen wieder zum Vorschein.

Während zu Silvester die Böller knallen und die Raketen den Himmel erhellen, kann es vorkommen, dass sich Menschen mit Demenz unter die Tische flüchten. Was für uns ein lustiges Feuerwerk ist, kann für sie den Schrecken des Krieges erneut heraufbeschwören. Ebenso können sie von Sirenen, sei es Polizei, Feuerwehr oder dem Notarzt, an den Fliegeralarm vergangener Zeiten erinnert werden.

In den schweren Nachkriegszeiten, als alles irgendwie knapp war, versuchte man so gut wie es eben ging, über die Runden zu kommen. Tagtäglich musste man improvisieren und mit dem Leben, was man besaß. Aufgewachsen mit diesen Erfahrungen, legen einige Menschen diese nur schwer ab. Anstatt wie heute üblich auf Binden bei Regelblutungen zurückzugreifen, nutzte man damals oft Waschlappen, die man sich zwischen die Beine klemmte. Den Lappen wusch man aus und trocknete ihn. Anschließend nutzte man diesen weiter. Heute ist manchmal zu beobachten, dass bei altersbedingter Inkontinenz die erste Wahl nicht immer eine Windel ist.

Zudem sind viele ältere Menschen im Alter weniger experimentierfreudig bei der Wahl des Essens. Was der Bauer nicht kennt... Sicherlich kennen Sie dieses Sprichwort. Von klein auf war man an die frisch geschlachteten Produkte des Fleischers gewöhnt, oftmals gab es sogar die Hausschlachtung. Zwar wird nicht alles, was fremdartig wirkt, sofort abgelehnt, doch die Tendenz zur Ablehnung ist erhöht. Man klammert sich an Jahrzehnte der Gewöhnung.

So ähnlich verhält es sich bei der Rollenverteilung. Gemeint sind damit nicht nur Mann und Frau, obwohl Frauen öfter am Herd standen, während die Männer arbeiten mussten, um Geld zu verdienen. Im Alter kann dies zu einer Belastungsprobe werden, wenn beide Ehepartner in Rente sind.

Diese Beispiele sollen eines verdeutlichen: Die Biographie, also die individuelle Lebensgeschichte, zu erforschen, kann enorm bei der Pflege einer Person helfen. Für eine ganzheitliche Pflege ist es also notwendig, sich umfassend über die zu pflegende Person zu informieren. Manche Verhaltensweisen, kann man sogar noch im Alter ablegen, doch beginnt es immer bei einem selbst.

Die kleinen Geschichten spiegeln außerdem Erfahrungen aus vielen Jahren von vielen Personen wider. Womit darauf hingewiesen sei, dass sie nicht pauschal auf alle Persönlichkeiten bestimmter Altersgruppen übertragen werden sollen.

Unser Wunsch besteht darin, dass Sie vielleicht bei der ein oder anderen Situation zu Hause kurz in sich gehen und an vergangene Zeiten denken.

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