Sonntag, 13. Oktober 2013

67. Blogbeitrag: Was „Pflege“ wirklich alles ist

„Pflege hat was mit alten Menschen zu tun. Man muss den ganzen Tag nur Ärsche wischen!“ Stellen Sie diese beiden Sätze einfach mal in Ihrem Bekanntenkreis vor und warten, wie die Reaktionen ausfallen. Selbst heute ist das ein Bild, welches viele Menschen vom Berufsfeld der Pflege haben. Dabei war so gut wie jeder Mensch schon einmal ein Pfleger. Man kümmert sich um sein krankes Kind, den Partner, um Bekannte und Verwandte. Ebenso versorgt man seine Tiere. Manch einer verwaltet eine Datenbank oder hält sein Auto in Schuss. Wieder andere lassen Pflanzen und den Garten gedeihen. Für alle diese Dinge verwendet man den Begriff Pflege. Doch der Begriff ist mehr als nur die Summe seiner Teile. Kranken- und Altenpflege sind Bestandteile unseres tagtäglichen Lebens.

Die Professionalisierung der Pflege im Gesundheitswesen kombiniert viele unterschiedliche Dinge, für die wiederrum kaum ein Arzt qualifiziert ist. Gut gebildet muss der Mensch sein! Doch wo fängt diese Intelligenz an? Von einer Pflegekraft wird erwartet, dass sie alles weiß was den Patienten betrifft, sich um alles kümmern kann und es auch erdulden muss. Gleichzeitig gelten die meisten Pflegekräfte in den Augen der „gebildeten“ Menschen als etwas dümmlich, wenn nicht sogar einfältig. Quasi eine Schande, wenn einer Akademikerfamilie ein Pfleger entspringt.

Pflegekräfte müssen sich als anpassungsfähig erweisen, sei es der Gesellschaft gegenüber oder dem Schützling. Dem Berufsfeld ist aber vor allem eines inne: Große soziale Verantwortung. Während  sie die Medikamentengabe überwachen, welche der Arzt zuvor verordnet hatte, sind sie Balsam für die Seele der Betroffenen. Ein plötzlich in der Familie auftretender Pflegefall kann das ganze Leben ruckartig verändern. Pflegekräfte haben also meist mehr als nur einen Schützling gleichzeitig. Sie sind die Stütze der Familie. Dankbarkeit wird oft gezeigt, aber auch das Gegenteil ist zu häufig der Fall. Sogar die Diskriminierung des männlichen Geschlechts gibt es im Berufszweig der Pflege. Oft ohne ersichtlichen Grund, werden Pfleger von Angehörigen ausgeschlossen, obwohl nie etwas Negatives Vorgefallen ist.

Sie sehen, jede Menge Aufklärung die noch betrieben werden muss. Viele Dinge lassen sich augenscheinlich schnell bekämpfen. Die Politik könnte verbindliche Lohnerhöhungen für die Branche festlegen. Es klingt sehr einfach. Dabei vergessen wird, dass automatisch die Pflegeversicherung steigen muss, von einer Pflegevollversicherung von 3% war sogar die Rede. Und in Zukunft? Immer weniger Junge müssen die Wirtschaftskraft aufbringen, um immer mehr Pflegebedürftige zu versorgen. Wo ist hier die Nachhaltigkeit gegeben? Sinnvoller wäre es momentan, die vorhandenen Ressourcen anders zu verteilen.   

Sie sehen, wie man aus dem Beruf des Pflegers oder Pflegerin  viele gesellschaftliche Probleme aufzeigen kann. Zur Pflege gehört die Waschung, die Verabreichung von Medikamenten, das Spenden von Trost, die Gabe der Mahlzeiten und sehr vieles mehr. Man hat eine hohe soziale Verantwortung, muss sich stets ethisch korrekt verhalten und immer freundlich sein. Als universeller Ansprechpartner ist man Lexikon und Gesetzestext in einem. Egal ob ältere Menschen oder Menschen mit einer Behinderung, man kann sich nicht einfach zurücklehnen, man muss Handeln, tagein, tagaus. Dabei verliert man auch Schützlinge, die einem über die Jahre hinweg lieb geworden sind. Und diese Trauer trägt man in sich, wenn man lächelnd den nächsten Schützling versorgen darf. Es ist eine unheimlich große Last, die getragen werden muss. Umso bewundernswerter ist es, dass immer wieder Menschen diesen Weg wählen. Sie sind es, die den Schützlingen helfen, ein weitestgehend unabhängiges Leben zu führen. Sie sind die Stütze unserer Gesellschaft und diejenigen, die anderen Arbeitnehmern den Rücken freihalten. Die Bundesrepublik ist eine der am wirtschaftlich stärksten Staaten dieser Welt. Ohne alle diese Pfleger und Pflegerinnen, die sich um unsere Angehörigen kümmern, wäre eine solche wirtschaftliche Stärke kaum denkbar. Ärzte allein wären ohne diese ganzen Helfer aufgeschmissen.
 

Denken Sie als mündiger Bürger einmal sehr genau darüber nach. Vielen Dank.

1 Kommentar:

  1. Sehr geehrter Herr Schibrowski,
    sehr geehrtes Pflegeteam,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Er fast im Grunde das Zusammen was ich denke und zum Teil was ich als junger Krankenpfleger erleben durfte, nämlich den gesellschaftlichen Zwiespalt über das Berufsbild der Pflege. Zum einen hochverehrt, wenn benötigt, zum anderen belächelt von jenen die im Kapitalismus erfolgreicher sind.

    Zur weiteren Verbreitung habe ich mir erlaubt diesen Beitrag mit unserer Facebookseite zu verlinken.

    https://www.facebook.com/pages/Pflegedienst-Hainleite/425944427470228

    Danke. macht weiter so.

    Viele Grüße aus dem Harz

    André Sinkwitz

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