Mittwoch, 18. September 2013

60. Blogbeitrag: Nachhaltiges Netzwerk

Ursprünglich war der Generationenvertrag als gesellschaftliche Absicherung vorgesehen. Die Hauptlast lag auf den Schultern der Erwerbstätigen. Sie erwirtschafteten die Renten der Senioren und kümmerten sich um die Versorgung, Ausbildung und Erziehung der Jüngsten. Die Anzahl derjenigen, die in der Bundesrepublik erwerbstätig sind, ist bereits heute rückläufig. Was es für die Gesellschaft bedeutet, können Sie sich sicherlich vorstellen. In manchen Talkshows ist von einem Generationenkonflikt die Rede. Die Zukunft erscheint (mal wieder) düster.

Seien Sie jetzt aber versichert, dass dies kein platter Beitrag mit Schuldzuweisungen werden soll. Natürlich wurden in der Vergangenheit viele Fehler gemacht in Bezug auf das Renten- und Sozialsystem. Auch ist die soziale Marktwirtschaft aus den Fugen geraten.  Wir als Gesellschaft dürfen uns dabei nicht auf die Entscheidungsfreudigkeit der Politiker verlassen. Denn Obacht, alle großen Veränderungen beginnen im kleinem. So auch bei einem weiteren wichtigen Schlagwort unseres Jahrhunderts,  dem der Nachhaltigkeit. Dieser Begriff wird bei schwindenden Ressourcen immer dringender.

Wie also geht man dieses Thema an? Beginnen wir zunächst mit einem kleinen Gedankenexperiment. Gerne wird auf das Schlagwort "ausländische Fachkräfte" verwiesen. Ziehen wir diese Fachkräfte aus den verschiedenen Ländern ab, fehlen sie in ihrer ursprünglichen Heimat. Unser Fachkräftemangel wäre somit gelöst. Alles auf unserer Welt ist aber stark miteinander verbunden, so dass "fremde" Probleme schnell zu unseren werden können. Und schließlich waren wir ja an deren Problem letztendlich Schuld. War das Beispiel also viel zu einfach dargestellt?

Nein! Komplexe Probleme muss man Schritt für Schritt angehen. Eine einfache Darstellung ist wichtig für den Anfang. Ausländische Fachkräfte sind also ein wichtiger Teil, der zur Lösung beiträgt. Nicht aber der einzige Weg. Vielmehr ist der kulturelle Austausch wichtig, denn unser „deutscher Weg“ der Pflege ist nicht der einzig richtige. Zudem ist Heimat oft da zu finden, wo man sich wohlfühlt. Die Akzeptanz ausländischer Abschlüsse muss vorangetrieben werden, besser wäre sogar eine Angleichung und Vergleichbarkeit. Aber bitte nicht in Form der neuen Universitätsabschlüsse Bachelor und Master, denn dies ging gründlich schief. Des Weiteren ist das Konkurrenzdenken zwar förderlich für den Markt,  schwächt aber gleichzeitig beginnende Netzwerkstrukturen. Die unterschiedlichen Branchen sind aufeinander angewiesen. So können auf (über) regionaler Ebene Industrie und Dienstleister eng zusammenarbeiten.

Veranschaulichen wir es einmal an einem Beispiel für ein Pflegenetzwerk.

 

Regional

Ortsansässige Betrieben bzw. Kommunen investieren gemeinsam in ein barrierefreies Objekt und beauftragen einen Pflegedienst z.B. eine Tagespflege zu betreiben. Arbeitnehmer, die sich sonst um zu pflegende Angehörige sorgen müssten, würden diese jetzt gut versorgt wissen. Betriebe in der Umgebung haben die volle Arbeitskraft des Arbeitnehmers. Außerdem werden neue Arbeitsstellen in der Pflege geschaffen und darüber hinaus ist es möglich einen kompletten Stützpunkt zu integrieren, in welchem andere Dienstleistungen zusätzlich angeboten werden können.
 

Überregional

Wer seine Angehörigen pflegt hat bereits einen Vollzeitjob, neben der anderen Arbeit, die das Geld in den Haushalt bringt. Ein Urlaub hilft beim Abschalten, allerdings nur wenn man seine Angehörigen versorgt weiß. Pflegedienste bieten für solch einen Fall die sogenannte Verhinderungspflege an. Soweit so gut. Aber warum kann man dem pflegebedürftigen Angehörigen keinen Urlaub anbieten? Pfiffige Hotelbetreiber könnten diese Marktlücke nutzen. Pflege und Betreuung durch einen Dienst vor Ort sichert die Versorgung. Diese Art von Tourismus hat eine rosige Zukunft, wenn jemand beginnt es in die Hand zu nehmen.


Das sind nur zwei der Möglichkeiten, die sich durch gute Netzwerkarbeit ergeben können. Es wäre auch ein erster Schritt zu nachhaltiger Wirtschaft. Partnerschaftliches Arbeiten schont Ressourcen und oft auch Nerven. Die Menschen vor Ort können selbst bestimmen, wie ihre Zukunft gestaltet werden soll. Und überregional finden sich vielleicht interessante Partnerschaften und Austauschmöglichkeiten. Denken Sie daran, dass niemand alles managen kann, aber alle können einen Teil tragen.

Arbeiten Sie vielleicht bereits in einem Netzwerk?

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