Mittwoch, 21. August 2013

52. Blogbeitrag: Wohnprojektserie – Nordrhein-Westfalen

NRW möchte in Zukunft mehr Pflege-WGs statt Pflegeheime. Städte und Gemeinden sollen nach einem Artikel von „Die Welt“ stärker in die Pflicht genommen werden solche alternativen Wohnformen zu planen und umzusetzen. Dabei wird nicht mehr Geld investiert, sondern der bisherige Etat nur umverteilt. Sogenannte „Quartiersmanager“ sollen die Planung und Umsetzung vor Ort koordinieren. Für den höheren Personalaufwand, der vorerst entstehen wird, bündelt NRW Fördermittel in einem Fond. Wie ernst es das Bundesland meint, bleibt weiterhin fraglich. Städte und Gemeinden kürzen oder streichen sogar Betreuungspauschalen.

Im Endeffekt wird damit ein Status Quo heraufbeschworen, alles bleibt also beim ursprünglichen Zustand, so dass es neue Entwicklungen sehr schwer haben werden. So heißt es nun abwarten, wer sich am Ende durchsetzen wird, Landesregierung oder Städte und Gemeinden. Eine Reform der bisherigen Gesetze und Richtlinien soll dabei helfen.

Altersgerecht und barrierefrei, wir berichteten in der Vergangenheit bereits ausführlich über dieses Thema. In der Rheinmetropole Köln fehlen genau diese beiden Eigenschaften bei dem Großteil aller Wohnungen. So ist es gerade für ältere Menschen kaum möglich solch eine bedarfsgerechte Wohnung zu bekommen, geschweige denn in Kombination mit Serviceangeboten und eventueller Pflege. Neubauten dieser Art finden sich eindeutig zu wenige in der Stadt und auf Umbaumaßnahmen verzichten viele der Vermieter.

Dieses Bild ist typisch für die gesamte Bundesrepublik und die Situation wird zunehmend akuter, so dass die Zeit zum Handeln schon längst gekommen ist.

Eine andere Art der Versorgung wird mit der damals bekannten Gemeindeschwester versucht. So soll eine ambulante Pflege in den bisherigen Wohnungen stattfinden. Im Gegensatz zu den ländlichen Gegebenheiten, gründen sich hier Pflegestandorte in dichtbesiedelten Wohngebieten an. Der dahinterstehende Gedanke ist einfach: Für den Menschen vor Ort immer erreichbar sein und das zu Fuß. In unmittelbarere Nähe zu verschiedenen Nachbarschaftstreffs, kommt man auch außerhalb der normalen Pflegezeiten ins Gespräch. So können Nachrichten problemlos ausgetauscht werden und Veränderungen bei Schützlingen und Klienten fallen vielleicht eher auf. Rund um die Uhr sind die Schwestern vor Ort verfügbar. Probleme können schnell und einfach behoben werden. Es bildet zum bisherigen betreuten Wohnen eine gute Alternative.           

Bedarf an Pflege gibt es bundesweit, die Angebote für die jeweiligen Menschen ist leider nicht immer optimal. Zudem kommt es vor, dass ambulante Versorgungslücken existieren, die noch nicht im vollen Ausmaß bekannt sind. Um diese zukünftig schneller und besser zu entdecken sowie entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, wurde im Kreis Mettmann sowie den beiden Städten Heiligenhaus und Wülfrath ein neues Modellprojekt gestartet. Dies trägt den Namen „Quart UpA - Quartiersnahe Unterstützung pflegender Angehöriger“. Für den Bedarf zugeschnittene und auf die zu Pflegenden und deren Angehörigen ausgerichtete Unterstützung ist das Ziel. Wissenschaftliche Unterstützung wird das Modellprojekt von Seiten der Universität Witten/Herdecke erhalten. Daran beteiligen können sich außerdem Pflegekassen, Pflegedienste, Vereine und Wohlfahrtsverbände. Zudem entstehen ein Beirat und eine Vertretung von einer pflegenden Angehörigengruppe.     

Ein vorbildliches Projekt mit Modellcharakter besteht bereits seit 1988. Gemeint ist die „Freie Scholle“ in Bielefeld. Das Barrierefreie Wohnen steht unter dem Motto „Sicher wohnen ein Leben lang“. Im Falle der Hilfebedürftigkeit kann schnell vermittelt werden, auch außerhalb des Wohnprojektes. Generationsübergreifende Gemeinschafts- und Freizeitangebote sollen dafür sorgen, dass es keine einfache „Altensiedlung“ ist, sondern das es auch eine attraktivere Wirkung auf junge Menschen hat. Natürlich sind die laufenden Kosten bei solch einem Projekt groß, tragen sich aber selbst. So wird vermieden, dass auf die Bewohner zusätzliche Kosten dazukommen. Für weniger als 5,-€ im Monat / Wohnung und einem Nachbarschaftsverein, dessen Mitgliedschaft freiwillig ist und sich an den Kosten beteiligt, können die jährlichen Ausgaben gedeckt werden.

Traurig ist, dass es genau diese Projekte sind, die uns voranbringen, welche jedoch nicht flächendeckend durch Bund und Länder gefördert werden.  

 

Quellen:

http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article114237844/NRW-will-Pflege-WGs-statt-mehr-Altenheime.html

Magazin: Häusliche Pflege 12.2012 - Alternative Wohnformen kaputt sparen

Magazin: Häusliche Pflege 04.2013 - Ambulante Angebote in NRW deutlich stärken

Magazin: Häusliche Pflege 05.2013 - Wohnungsnot am Rhein

Magazin: Häusliche Pflege 06.2013 - Das Prinzip Gemeindeschwester

Magazin: Häusliche Pflege 06.2013 - Versorgungslücken entdecken
 
http://www.forum-seniorenarbeit.de/media/custom/373_349_1.PDF S.122

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