Sonntag, 21. April 2013

18. Blogbeitrag: Tabuthema Sucht – Alkohol


Kurzes Video im ARD Nachtmagazin: http://www.youtube.com/watch?v=BUbGj9Kx0qw

Alkoholsucht ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Im Bereich der Pflege ist es ein Thema, das selten offen angesprochen wird. Doch mit diesem Tabuthema muss offen umgegangen werden. Zugleich ist es aber schwierig behutsam und bestimmt der Sucht entgegen zu treten, zumal sich im Alter die Trinkgewohnheit ändern können. Nicht immer ist ein Alkoholproblem auf den ersten Blick zu erkennen.

Alkoholmissbrauch führt zu einer deutlich kürzeren Lebensspanne, wie Forscher aus Greifswald in einer Studie herausgefunden haben. Eine andere Studie aus Braunschweig führt zu einem weiteren Ergebnis: Jeder fünfte Student trinkt  gesundheitlich riskante Mengen an Alkohol. Besonders betroffen von Alkoholsucht sind allerdings die älteren Menschen unserer Gesellschaft.

„Substanzmissbrauch und -abhängigkeit sind auch im höheren Lebensalter keine Seltenheit. Vor allem der Missbrauch und die Abhängigkeit von Medikamenten, aber auch von Alkohol, sind bei Menschen über 60 Jahren verbreitet.“

Schätzungen gehen von Bundesweit 400.00 Betroffenen aus. Der Grund, weshalb ältere Menschen in eine Alkoholabhängigkeit geraten kann vielseitig sein. So bestand bei einem Großteil der Betroffen die Sucht schon vor dem Renteneintritt. Allerdings kann der plötzliche Ruhestand, aber auch der Verlust des langjährigen Lebenspartners dazu führen, dass schnell zur Flasche gegriffen wird. Man möchte die Einsamkeit vergessen. In manchen Fällen können Familie und Freunde kaum einen Anschluss finden, da oftmals der Lebenswille nachlässt und man schnell in die Depression rutschen kann.

Stark erhöhter Alkoholkonsum bzw. -missbrauch begünstigt zudem Alterserkrankungen. Das Sturz- und Unfallrisiko ist ebenso stark erhöht, dazu kommen verminderte Leistungsfähigkeit bei Körper und Geist sowie häufigere Organschädigungen.

„Bei Menschen, die in Kliniken oder Einrichtungen der stationären Altenhilfe leben, sind Alkoholprobleme überdurchschnittlich häufig.“ 

Dies ergab eine Studie aus dem Jahr 2009. Was also tun? Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützte im Jahr 2012 acht verschiedene Modellprojekte. Fachkräfte sollten weitergebildet und für das Thema sensibilisiert werden.

„Prognose: Vermutlich wird aufgrund der demografischen Entwicklung die absolute Zahl älterer Erwachsener mit Alkoholproblemen deutlich steigen.“

Dabei verhalten sich ältere Menschen unauffälliger. Sie versuchen einen bestimmten Pegel konstant zu halten und trinken daher eher über den Tag verteilt. Frauen sind im höheren Lebensalter häufiger betroffen als Männer. So das Ergebnis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA).

Alkohol in geringen Mengen soll gesundheitsfördernd wirken, dass BZGA  empfiehlt stattdessen körperlich aktiv zu bleiben, so gut es möglich ist und auf eine ausgewogene, fettreduzierte Ernährung zu achten.

Damit Sie als Angehörige oder als Betroffene schnell reagieren können, empfiehlt das BZGA auf folgende Symptome zu achten:


- sich wiederholende Stürze
- mangelnde Konzentration, nachlassende geistige Leistungsfähigkeit, mangelnde 
  Aufmerksamkeit
- Interessenlosigkeit oder -verlust
- Vernachlässigung des äußeren Erscheinungsbildes
- Vernachlässigung des Haushalts
- Durchfälle, Schwindel, Gesichtsröte
- Zittern
- Appetitverlust, Fehlernährung
- Voralterung
- Stimmungsschwankungen

Nun können alle diese Symptome ebenso eine andere Ursache haben, deuten aber auch auf einen Alkoholmissbrauch hin. Wir können Ihnen nur empfehlen, dass Sie im Zweifelsfall immer einen (Fach-)Arzt konsultieren sollten. Das Erkennen eines Alkoholproblems kann bei älteren Menschen sehr schwierig sein. Für eine erste Einschätzung hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Fragebogen erstellt (siehe Quellen unten). Außerdem findet man in dem Dokument auf Seite 33 Adressen, an die man sich wenden kann, sollte Hilfe gewünscht werden.

Sie müssen sich für nichts schämen. Ein Problem kann immer gelöst werden, man muss nur einen Anfang wagen.


Quellen

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/genuss/neue-studie-zur-alkoholsucht-abhaengige-sterben-20-jahre-frueher-11927795.html

http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2012-07/studie-alkohol-studenten

http://drogenbeauftragte.de/drogen-und-sucht/suchtstoffuebergreifende-themen/alter-und-sucht.html

http://www.unabhaengig-im-alter.de/index.php?id=58

Auch Fragebogen enthalten auf Seite 29:

http://www.bzga.de/pdf.php?id=906381a1721f8b01f3a506f99f9b3151

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