Montag, 1. April 2013

12. Blogbeitrag: Konflikte zwischen Patienten und Angehörigen

In den wenigsten Fällen sind Familien bzw. einzelne Personen auf das Eintreten eines Pflegefalls vorbereitet. Zumeist beginnt es mit einem schleichenden Prozess. Viele Betroffene wollen sich nicht eingestehen, dass sich etwas verändern wird. Oder der Pflegefall tritt plötzlich und unerwartet ein. Das gewohnte Leben wird es in dieser Form nicht mehr geben. Die meisten Menschen taumeln in diese neue Aufgabe mehr schlecht als recht hinein.

Mit der neuen Situation kommen neue Ansprüche des Pflegebedürftigen, welche jedoch viel zu oft nicht ausgesprochen werden. Ähnlich geht es dem Angehörigen, der nach vielen Pflegestunden und Monaten vielleicht  einmal wieder freie Zeit für sich haben möchte. Eine klare sachliche Kommunikation ist zumeist schwierig. Gegenseitig  besteht  eine starke emotionale Verbindung  und Gefühle werden füreinander gehegt. Niemand möchte die Gefühle des anderen verletzen.

Eine gute Grundvoraussetzung wäre eine Abstimmung im eigenen Familien- und Bekanntenkreis. Sollte dies nicht möglich sein, setzen Sie sich frühzeitig mit dem Gedanken auseinander, professionellen Rat und/oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Beratungsgespräch bei einem ambulanten Pflegedienst ist kostenlos. Nur etwas Zeit sollten Sie mitbringen.

Im Fall einer sich anbahnenden Pflegebedürftigkeit fallen noch viel zu oft unschöne Sätze, wie z.B. „ich schicke dich jetzt ins Heim“ von den Angehörigen ausgesprochen oder durch den Pflegebedürftigen: „Dann gehe ich eben ins Heim!“ Es sind scharfe Worte, die schnell bereut werden. Außerdem kann enormer Schaden in der privaten menschlichen Beziehung angerichtet werden. Depressive Stimmungen und Schuldgefühle lassen auf beiden Seiten die Familie immer mehr voneinander entfernen.

Jeder Betroffene, der Menschen zu Hause mit Hingabe und Leidenschaft pflegt,  sollte geachtet und unterstützt werden. Pflegende Angehörige nehmen immerhin pflegerische Aufgaben wahr! Es sind Aufgaben, welche auch mit Hilfe durchgeführt werden können. Als Unterstützung dienen Psychotherapeuten und/oder professionelle Pflegepersonen. Nehmen Sie die Hilfe an.

Auch Unternehmen sind gefordert, um pflegenden Angehörigen Freiräume zu ermöglichen. Manchmal reichen nur wenige Stunden aus, denn es kann den Unternehmer selbst einmal betreffen. Mir (Ralf Schibrowski) ging es vor kurzem selbst so. Mein Team reagierte schnell. Wichtige Termine wurden übernommen oder auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Dies ist jedoch nur durch gutes Management und Zusammenarbeit möglich. Nichts anderes bedarf es in privater Umgebung.

Der Generation 40 bis Ende 50, der ich ebenfalls angehöre, sollte klar sein, dass sie nicht alles kann. Selbst wenn es von „der Gesellschaft“ gefordert wird. Jüngere Generationen, aber auch die Älteren, welche körperlich noch bei guter Gesundheit sind, sind aufgefordert zu helfen.   

Im kommenden Beitrag dreht es sich dann speziell um Konflikte/ Aggressionen bei Menschen mit Demenz.
 

Quelle:

http://www.curendo.de/psychologische-hilfe/wenn-pflegende-angehoerige-und-pflegebeduerftige-streiten.html

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